

Anmerkung der Künstlerin
Im Zentrum meiner Kunst steht ein Verständnis von ihr, das nicht auf Darstellung zielt, sondern auf Prozesse des Sichtbarwerdens – in denen sich Selbstverhältnisse fortwährend verschieben.
Ausgehend von Erfahrungen zwischen Selbstentfremdung und Selbstnähe untersuche ich mit meiner Arbeit das Selbst nicht als stabile Einheit, sondern als fraktale Struktur: als Vielheit von Zuständen, Wiederholungen und Brüchen, die sich gegenseitig durchdringen und verändern.
Ein besonderer Fokus liegt auf verinnerlichten Mustern weiblicher Sozialisation, insbesondere auf Formen von Anpassung, Zurücknahme und Kontrolle von Wirkung. Diese werden nicht als rein individuelle Zuschreibungen verstanden, sondern als kollektiv erlernte Strategien, die Wahrnehmung und Verhalten prägen und zugleich Handlungsspielräume eröffnen. Die Auseinandersetzung mit diesen Strukturen begreife ich als einen Prozess der Entpatriarchalisierung – als das Sichtbarmachen, Verlernen und Neuschreiben von Beziehungen.
Meine künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Kontrolle und Aufgabe; Glättung und Bruch. Durch diese Reibung entsteht ein Raum, in dem Sichtbarkeit nicht als Festlegung erscheint, sondern als vorsichtige Annäherung an ein sich ständig verschiebendes Verhältnis zu sich selbst und zur Welt.
Zugleich verstehe ich künstlerische Praxis als einen Akt der Verbindung. Widerstand erscheint darin nicht als Monolog, sondern als Austausch: als Bereitschaft, zuzuhören, voneinander zu lernen und Wissen gemeinsam zu tragen. Mich interessieren Formen von Erinnerung, die sich durch zwischenmenschliche Annäherungen bilden – wie mündlichen Überlieferungen, verkörpertes Wissen, alltägliche Gesten und kollektive Praktiken des Weitergebens. Die Begegnung mit Erinnerungskulturen anderer Gemeinschaften verweist für mich auch auf das, was in meiner eigenen kulturellen Geschichte verloren gegangen ist. Das Lernen von Anderen wird so zu einer Praxis der Regeneration: einer Möglichkeit, Verbindungen neu zu knüpfen – zu den Menschen um mich herum, zu denjenigen, die vor mir waren, und zu denen, die nach mir kommen werden.
Meine Arbeit fragt danach, wie Kreativität zu einer Form des Erinnerns und des Widerstehens werden kann. Wie sich gegen Vereinzelung Räume von Zugehörigkeit eröffnen lassen – und wie in der Verbindung mit Anderen etwas entsteht, das über das Individuelle hinausweist: ein fortwährendes Gewebe aus Erfahrung, Fürsorge, Wissen und Transformation.